«Blindflug.» News
Die Präventionskampagne «Blindflug.» findet vom 10. September 2009 bis zum 9. Oktober 2009 im Kanton Zürich und den unterstützenden Kantonen statt.
Video Blindflug
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Verkehrssicherheits-Kampagne «Blindflug.»
Eine Verkehrssicherheits-Kampagne der Kantonspolizei Zürich, der Stadtpolizeien Zürich und Winterthur sowie der Kommunalpolizeien des Kantons Zürich.
Problemstellung
Hauptunfallursache Nr. 1 im Kanton Zürich
Auf den Strassen des Kantons Zürich (inkl. der Städte Zürich und Winterthur) kam es im Jahr 2008 zu total 13'529 Verkehrsunfällen. Obschon die Zahlen der im Strassenverkehr verletzten und getöteten Personen sich seit den 70er Jahren kontinuierlich reduziert haben, wurden im Kanton Zürich im Jahr 2008 dennoch 3'653 Personen verletzt und 51 getötet. 2'728 Verkehrsunfälle sind im Kanton Zürich auf Unaufmerksamkeit und Ablenkung zurückzuführen. Unaufmerksamkeit und Ablenkung sind im Kanton Zürich die Ursache für rund jeden 8. Unfall. Sie bilden neben nicht angepasster Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer eine der drei Hauptursachen für Verkehrsunfälle auf unseren Strassen.
Gemeinsam lancieren die Kantonspolizei Zürich, die Stadtpolizeien Zürich und Winterthur und die Kommunalpolizeien des Kantons Zürich die Verkehrssicherheits-Kampagne «Blindflug». Ziel der Kampagne ist es, die Zahl der durch Unaufmerksamkeit und Ablenkung verursachten Verkehrsunfälle zu senken und die Verkehrsteilnehmenden hinsichtlich der Gefahren durch Ablenkung zu sensibilisieren.
Fakten
Verschiedene Studien zeigen, dass die Fahrleistung von Autofahrenden bei der Benutzung von elektronischen Geräten wie Handys oder Navigationsgeräten während der Fahrt markant beeinträchtigt wird. Hierdurch abgelenkte Autofahrende reagieren deutlich langsamer, bremsen weniger heftig und lenken schlechter. Die Studien belegen auch, dass die Reaktionszeiten gegenüber dem Telefonieren beim Schreiben von SMS oder durch Eingaben ins Navigationsgerät markant schlechter sind [1]. Das verwundert nicht, wird dabei doch der Blick für entscheidende Sekunden von der Strasse weg auf den Bildschirm des Gerätes gelenkt. Die Haupttätigkeit «Autofahren» wird ausgeblendet. Sie wird zur Nebensache. Das zeigen unsere Plakate. Das Mädchen auf dem Bild erscheint verschwommen und die Dateneingabe wird zur Haupttätigkeit. Fällt der Blick wieder zurück auf die Strasse, so muss sich das Gehirn zuerst wieder neu orientieren. Das hängt damit zusammen, dass der Mensch sich nicht gleichzeitig voll auf zwei Sachen konzentrieren kann. Die Studien zeigen auch, dass sich die Reaktionszeit ganz ähnlich wie bei einem Blutalkoholgehalt von 0,8 Promille und mehr verhält [2].
Schon das Telefonieren am Steuer ist äusserst riskant. Das Schreiben von SMS und Eingaben ins Navigationsgerät sind jedoch weitaus gefährlicher und mit einem Blindflug gleichzusetzen. Autos haben aber keinen Autopiloten.
Ablenkung verlängert Reaktionszeit
Durchschnittliche Fahrzeuglenker haben eine Reaktionszeit von einer Sekunde. Demgegenüber hat ein telefonierender Lenker eine längere Reaktionszeit. Geht man von einer realistischen verdoppelten Reaktionszeit aus, so bedeutet das bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h respektive 14 Meter pro Sekunde, dass ein telefonierender Lenker erst zu bremsen anfängt, wenn der oder die Aufmerksame bereits schon angehalten hat. Verlangsamte Reaktion bedeutet ungebremste Fahrt in dieser Zeit.
Keine Bedienung von Navigationsgeräten während der Fahrt
Navigationsgeräte sind wertvolle Hilfsmittel und können die Verkehrsicherheit erhöhen. Aber sie müssen richtig bedient werden. Eingaben müssen vor der Fahrt gemacht werden. Es ist zu gefährlich, dies während der Fahrt zu tun. Lohnt es sich, für eine Ortsangabe ein solches Risiko einzugehen? Gleich verhält es sich mit dem Handy: Die Polizei empfiehlt, während der Fahrt konsequent auf das Telefonieren zu verzichten und Anrufe nicht entgegen zu nehmen. Komplizierte Gespräche gehören keinesfalls auf die Strasse. Auch hier ist die Ablenkung zu gross.
Schutz vor Handytelefonierer?
Da Handytelefonierer und Blindflieger nicht nur sich, sondern vor allem alle andere gefährden, fragt sich, wie man sich vor ihnen schützen kann? Aufgrund der Fahrweise sind sie rasch erkennbar. Sie fahren zu langsam, zu schnell, Schlangenlinie oder ruckartig, fahren halb auf der Spur oder wechseln sie überraschend. Es muss damit gerechnet werden, dass eine solche Person verzögert, unerwartet oder gar nicht reagiert. Es gilt Abstand zu wahren. Fährt ein Fahrzeug Schlangenlinie auf der Autobahn, so sollte ein Abstand eingehalten und nicht überholt werden, bis es wieder normal fährt. Für Fussgänger gilt: Fussgängerstreifen noch nicht betreten, warten bis das Fahrzeug ganz anhält.
Wer ein SMS schreibt, ein Navi programmiert oder einen MP3-Player bedient, ist im Blindflug unterwegs: Er riskiert das Leben anderer.
Referat von Martin Kübler, Chef Verkehrspolizei-Spezialabteilung Kantonspolizei Zürich, an der Medienkonferenz vom 10. September 2009.
[1] Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Angewandte Psychologie, CH 2008
[2] Studie Transport Research Laboratory TRL in Berkshire, GB 2002

